Montag, 10. August 2009

Das Tribunal





Die alte Schule auf dem “Hügel der giftigen Bäume”, wie sich das kambodschanische Wort „Tuol Sleng“ übersetzen lässt, ist noch immer ein verfluchter Ort. Immobilienmakler berichten, dass viele ältere Kambodschaner bis heute vermeiden, in den Nachbarstraßen des Gebäudes zu leben, auch wenn es im Herzen Phnom Penhs liegt. Andere haben sich im Schatten des Hügels eingerichtet. Verhängen Fenster, verschließen Türen und versuchen durch Opfergaben, die ruhelosen Seelen der hier Gefolterten und Ermordeten versöhnlich zu stimmen. Die Rede ist vom S-21, Pol Pots berüchtigtem Foltergefängnis.

„Good Morning Mr. David Chandler!“ Die britische Richterin am ECCC (Extraordinary Chambers in the Courts of Cambodia) begrüßt den international anerkannten australischen Historiker (76) in geschliffenem Englisch. Sie spricht langsam, als wollte sie die zahlreichen Zuhörer, darunter auch Opfer aus der Pol Pot Zeit, in einen hypnotischen Zustand versetzen. Das Gerichtsverfahren wird simultan in Khmer und Französisch übersetzt.

David Chandler räuspert sich und bestätigt die ihm vorgestellten Daten.“ Ja, ich habe als Diplomat in den 60er Jahren in Kambodscha gelebt.“ Und „Ja, ich habe die Epoche kambodschanischer Geschichte von 1976 bis 1998 erforscht und das Buch: ‚Voices from S-21: Terror and History in Pol Pot’s Secret Prison‘ geschrieben.“
Der emeritierte Professor forschte in den frühen 90ern vier Jahre über das Pol Pot Regime und las über 1000 „Bekenntnisse“ der Gefangenen. Er führte lange Interviews mit den sieben Überlebenden und den Sicherheitskräften, die vor 30 Jahren im S-21 ihren Dienst taten.

Kurz nach dem Fall Phnom Penhs im Sommer 1975 wurde das S-21 Gefängnis errichtet, um der „schwarzen Revolution“ zu dienen. Chandler sagt aus, dass dieses unmenschliche Gefängnis nur eine Funktion hatte, die „Feinde“ der Roten Khmer zu ermorden. Wurden in den ersten Monaten vor allem Kader der alten Lon Nol Regierung eingeliefert und nach grausamsten Verhören gezwungen, „Bekenntnisse“ zu unterschreiben, die ihre Schuld beweisen und ihren Tod rechtfertigen sollten, lesen sich die Listen der Inhaftierten spätestens seit 1976 wie ein Kanon der gebildeten linken Elite. Lehrer, Universitätsprofessoren, Ingenieure, verdächtigte Kader der Roten Khmer, Mönche, Ärzte, Wissenschaftler, Künstler samt Ehefrauen und Kinder, gebrandmarkt als „Feinde der Revolution“. Wir kennen seit der Französischen Revolution das Credo: „Die Revolution frisst ihre Kinder!” In der zweiten Hälfte der 70er Jahre fraß die Revolution in Kambodscha nicht nur die Kinder, sondern sogar das Volk. Von den acht Millionen Khmer, die 1975 in Kambodscha lebten, kamen schätzungsweise zwei Millionen um. 14.000 davon im S-21. Selten sangen totaler Terror und Paranoia solch ein schauriges Lied.

Chandler holt tief Luft, um die Frage der Richterin zu beantworten, welche Funktion das S-21 gehabt hatte: „The Khmer Rouge set up S-21 to establish control over the internal enemy. The paranoia regarding the internal enemy caused the Khmer Rouge leaders to purge any cadre, who rejected their policy. Accused of being either CIA spies, KGB agents, or connected to the Vietnamese, the Khmer Rouge purged untrustworthy cadres in late 1976 in the Northern and Eastern zones. The numbers of S-21 prisoners reached its peak in 1977 when over five thousand ‘enemies’ were brought in. In the next step, cadres from the Eastern and Northwest zones were sent to S-21. The Central Committee was convinced that the internal enemy was everywhere in Democratic Kampuchea and all of those enemies had to be smashed.”

Anwesend im Gerichtsaal sind nicht nur ca. 500 Kambodschaner, die für diesen Tag eigens aus Siem Reap "herbeigeschafft" wurden (es gibt NGOs, die Gruppenfahrten zum Tribunal organisieren, weil sich Kambodscha nicht länger vorwerfen lassen will, die Aufarbeitung der blutigen Geschichte im Tribunal vor den Toren Phnom Penhs ginge das Land heute nichts an) - sondern auch Kaing Guek Eav. Unter dem Namen „Duch” weltweit bekannt, wohnt der ehemalige Gefängnisdirektor des S-21 auf der Anklagebank konzentriert der Anhörung des Zeugens bei. Sein blaues Hemd ist frisch gebügelt. Er macht kleine Aufzeichnungen, runzelt manchmal die Stirn. Es ist eigentlich sein Prozess. Es ist die Bühne seines Lebens. Fiel das Land mit der Machtübernahme der Roten Khmer in ein unvorstellbares Chaos, baute Duch eine totale Organisation auf und produzierte in seinem Gefängnis ein systematisch schauriges Archiv von Vernichtungsprotokollen. Als wollte der Gefängnisdirektor seine besondere Art von Modernität betonen, und damit den Triumpf der Rationalität der Kommunistischen Partei über die Willkür ihrer Köpfe.

Chandler attestiert Duch Enthusiasmus und Stolz bei dieser Arbeit, schon als Student der Mathematik habe der Duch Höchstleistungen gezeigt. Der Angeklagte erhält am Nachmittag das Wort und wird sich für diese Einschätzung bedanken und dem Professor eine ausgezeichnete Recherche bescheinigen. Er wollte dem System dienen, dem Großen Bruder Nummer 1 Pol Pot und seiner Angkar, jener höchsten Geheimorganisation der Roten Khmer, die Kambodscha in eine agrarische, kommunistische Gesellschaft der Gleichen verwandeln wollte. Unter Auslöschung von allem, was Unterschiede und Ungleichheit produziert: Bildung, Status, Kapital, Kultur, Beziehungen - wir kennen die Scharniere der Ungleichheit alle aus der modernen Gesellschaftstheorie.

Wie tief und komplex auch immer die Auswirkungen des kambodschanischen Auto-Genozides 30 Jahre später sind, Kambodscha ist heute jedenfalls eines der un-gleichsten Länder der Welt. Und, wie verbitterte Zeitzeugen bemerken, dem Duch geht es im Untersuchungsgefängnis mit drei Mahlzeiten am Tag und einer westlichen Wassertoilette noch heute besser als den meisten Kambodschanern im Land.


Das Tribunal wird in wenigen Wochen seine Arbeit voraussichtlich bis zum nächsten Jahr einstellen. Der Duch wird mit 35 Jahren Haft bestraft, die Todesstrafe ist in Kambodscha abgeschafft.
Weitere Infos:
http://www.eccc.gov.kh/
http://www.tuolsleng.com/

Fotonachweis: 1/ Duch (Pressefoto), 2/ Bretthauer: Schädel-Stupa auf den Killing Fields, 3/ Bretthauer: Mann hockend for dem Killing Tree, an dessen Stamm Kleinkinder zerschmettert wurden, 4/ Bretthauer: ECCC Gebäude

Mittwoch, 1. Juli 2009

Java, Lombok, Bali


Ihr Lieben,


ein kurzer Sommergruss an euch! Ich weiß, in Deutschland ist es jetzt auch warm...

Ich bin vom 3.7. bis 22.7. nicht in Phnom Penh, sondern auf Java, Lombok und Bali.

Schöne Sommerferien wünsche ich euch!

(Foto letzter Sonntag, Expats im schlammigen Mekong)

Samstag, 13. Juni 2009

Deutschland: Gibt es Tabletten gegen Neigetechnik?


An irgendeiner Ampel an einer Berliner Straßenkreuzung fragt mich Kim, wieso die gelben Boxen am Ampelmast so klopfen und klackern? Ich drehte mich um, und war ganz plötzlich stolz auf mein Land. „Diese Boxen senden Signale für blinde Menschen, damit diese die Straße gefahrlos bei Grün überqueren können“ erkläre ich. Eine kurze Verblüffung und dann schon eine zweite Frage, die mit dem gleichen Fragewort beginnt, dass ich auf meiner ersten Heimatreise nach einem Jahr in Kambodscha noch oft hören werde: „WHY?“ Wieso versuchen blinde Menschen denn allein über die Straße zu gehen? Haben sie keine Familie? Ich habe jetzt gar keine Lust, noch mehr zu antworten und sage nur, in Deutschland haben die Familien keine Zeit.
Das Argument mit der Zeit läuft aber noch ein paar Mal über unseren Weg.

In meiner Küche, einen Tag später, frage ich Kim, ob er das Geschirr in den Geschirrspüler stellen könnte. Er schaut irritiert und fängt dann an, die Teller mit der Hand abzuwaschen. „No, No…. You can put it there!“ „What’s that?“ Kim schaut in den Geschirrspüler hinein. Ich lache amüsiert und doziere wie in einer 60er-Jahre-Werbung für Haushaltswaren: „That’s our new dishwasher!“ J Wow. Kim ist erstaunt, er sagt, er kenne diese Geräte nur aus den Thai-Soaps, die im Vorabendprogramm laufen. „Hat das hier jeder in Deutschland?“ „Ja, sage ich, fast jeder!“ Kim denkt kurz nach und stellt dann laut fest, dass die Menschen in Deutschland viel mehr freie Zeit haben müssen als in Kambodscha, weil es so viele Geräte gibt. Ich nicke bejahend obwohl ich weiß, das Gegenteil ist der Fall: Im Vergleich zu Kambodschanern haben die Deutschen keine Zeit!

Meine Neffen baumeln an meinen Händen, wir haben einen magisch schönen Sonntag in Potsdam verbracht und wollen zurück nach Berlin. Im Servicecenter der Deutschen Bahn im Potsdamer Hauptbahnhof gibt es zwar keine Schlange von Wartenden, die wenigen Kunden vor uns haben aber besondere Wünsche. Die Kinder sind müde und lümmeln auf einer Bank. Minuten verstreichen. Nichts passiert. Ich gebe den Kindern ein Zeichen, dass wir gleich dran sind und unsere Tickets kaufen können. Die ältere Dame vor mir, geht an den Schalter. Etwas umständlich, wie ich finde, bringt sie ihre Wünsche an die Angestellte. „Also ich möchte am 17. Juni nach Nürnberg fahren. Mit dem ICE. Nicht mit einem IC. Gibt es eine Verbindung? Und am 20. Juni zurück!“ Hat auch keine Zeit, denke ich nur!
Die Angestellte sucht die ICE-Verbindung raus. „Also wir haben da einen ICE am 17. Juni um 10.12 h ab Berlin Hauptbahnhof nach Nürnberg….“ Die Dame, todsicher eine Berliner Rentnerin, nickt kurz und fragt dann erneut: „ Sagen Sie bitte, ist das ein ICE mit Neigetechnik?“ Ich denke nur: „BITTE?“ und schaue auf meine Uhr. Wie so ein Mensch einem die Zeit stehlen kann. Die Angestellte aber schaut schon wieder in ihrem Computer nach, ohne mit der Wimper zu zucken. „Also der ICE am 17. Juni nach Nürnberg fährt noch ohne Neigetechnik. Auf der Rückfahrt dagegen wird bereits ein ICE mit Neigetechnik eingesetzt! Darf ich für Sie buchen“ Die Rentnerin überlegt kurz. Och, zu gern würde ich jetzt für die alte Dame in der Schalterhalle lautstark die Frage beantworten. „Neeeeeeeein, Ich will aber zweimal mit Neigetechnik!“
Bis die Rentnerin sagt, sie können sich jetzt noch gar nicht entscheiden. Sie müsse erst mit ihrem Arzt reden, ob es Tabletten gegen den Schwindel bei der Neigetechnik gibt.

Ich atme tief durch. Hilft mir immer! Die Dame geht. Und die Angestellte sagt: „Der Nächste bitte!“

Donnerstag, 28. Mai 2009

„Hier ist Gilbert Bécaud!“


Die meisten berühmten Pariser liegen auf dem Friedhof! Ich will damit nicht andeuten, dass Paris nicht lebendig, nicht erfrischend und aufregend ist. Ganz im Gegenteil! Paris, von Walter Benjamin in seinem endlos dicken Passagenwerk zur „Hauptstadt des 19. Jahrhunderts“ erkoren, würde noch immer mühelos einen der vorderen Plätze im Metropolenwettbewerb des 21. Jahrhunderts ergattern. Und Paris hat Gesicht! Ähnlich wie London, New York, Rom und vielleicht auch Bangkok, gibt es ein Bild, einen Charakterzug, der sofort den unverwechselbaren Zauber einer besonderen Weltstadt ausmacht, und möchten wir dann nicht einfach nur noch die Augenlider auf schläfrig stellen, und den Duft, die Kulissen der Stadt einatmen und nie wieder loslassen?
Ich bin mit meiner Mutter in Paris. Wir landen im Regen auf dem Airport Charles de Gaulle in Orly. Fröstelnd warten wir in einem Tunnel auf den Flughafenbus. Ein Betonungetüm lastet auf unseren Schultern und der Zugwind treibt den Zigarettengeruch von der Insel der letzten Raucher zu uns rüber. Ach, da gehen wir doch auch gleich mal hin…
Mit der eigenen Mutter zu reisen, ist in gewisser Weise eine Reise in die Vergangenheit. Wir kennen es alle! Es ist auch eine Reise an die eigenen Grenzen. Denn zu einer der alltäglichsten Ungerechtigkeiten der Menschheit gehört meiner Ansicht nach die ungleiche Ökonomie der Liebe zwischen Eltern und erwachsenen „Kindern“. Selten in der Welt geraten Geben und Nehmen, Zuwenden und Abwenden so auseinander! Rufen Eltern ihre „Kinder“ nicht immer an? Hängen nicht ganze Galerien von Kinderbildern in den Wohnzimmern der Eltern und bei uns hängt nichts? Und zieht nicht eine Tochter die Augenbraue eher hoch als ihre Mutter oder schnalzt ein Sohn mit der Zunge, wenn man mal wieder mit den Eltern spricht? Die Gefühle des Genervt seins sind ungleich verteilt und ihre Facetten bei jedem Familientreffen sichtbar.
So ging es auch mir, als meine fast 70-jährige Mutter in einer Pariser Post verschwand, um 5 Briefmarken zu kaufen. Ich wartete 10 Minuten vor der Tür und dann noch einmal 5, in meinem Kopf flötete in 1000 Tönen das Lied der Ungeduld. Die Post war vollkommen leer, und als ich durch die Glastür lugte, fragte ich mich, was meine Mutter mit dem Postangestellten zu bereden hätte, obwohl sie kein französisch spricht! Bekannt für ihre Kontaktfähigkeit malte ich mir aus, sie würde gar in Deutsch auf ihn einreden und er – zur Höflichkeit erzogen – würde ihr, wunderlich berührt, zuhören. Dass sie dann später nicht nur mit den Briefmarken erschien, sondern sogar mit Geld, dass sie noch selbstständig (!) vom posteigenen Bankautomaten gezogen hatte, setzte mich in Erstaunen und zeigte mir meine Grenzen auf. Das Leben geht ja doch weiter und wir erwachsenen Kinder sind gutberaten, die Augen offen zu halten, weil auch die Alten ändern sich. Auch wenn ich diese Einsicht am nächsten Tag wieder in Frage stellen musste, als meine Mutter völlig irritiert, die – ich muss es erwähnen – nicht ganz einfach zu passierenden Pariser Metroschranken zu überwinden suchte. Ich drehte mich instinktiv um und sah einen freundlichen alten Franzosen, der meiner Mutter beizubringen versuchte, das nicht die Eintrittskarte zum Louvre in den Automatenschlitz zu stecken sei, sondern ihr frisch erworbenes Ticket zur Untergrundbahn.
Auch diese Hürde war genommen und wir steigen an der Metrostation zum Friedhof Pére Lachaise aus. Aus irgendwelchen Gründen hatte der Mai an diesem Nachmittag beschlossen, sich seiner selbst zu erinnern und ein herrliches Sonnenlicht flimmerte über den Gräbern. Wir stehen vor der Friedhofskarte, auf einem Acker beladen von olympischer Prominenz. Eigentlich liegen alle hier! „Chopin“ zwitscherte meine Mutter. „Wir müssen zu Chopin!“ Und ich willigte ein, nicht ohne meinem Wunsch Gehör zu verschaffen, Marcel Proust und Oskar Wilde besuchen zu wollen. Wir stürmen los, durch das Labyrinth der Verblichenen, und wenn ich „stürmen“ sage, dann werden sich diejenigen unter euch, die bereits das Vergnügen hatten, mit uns zu spazieren, erinnern können, dass wir sehr gerne schnell gehen. Wir laufen eine Weile und nicht nur weil das Wort „verlaufen“ so gut dazu passt, gestehe ich meiner Mutter gegenüber ein, dass wir zwar den Abschnitt erreicht haben müssen, auf dem Chopin gebettet ist, doch dass nun nichts anderes als eine endlose Suche vor uns liegen würde. Tausende Gräber und kein Schild. Ich glaube, dass liebe ich an Paris. Es ist eine Stadt, die so reich an Vergangenheit ist, dass sie schon vergessen hat, auf ihre Berühmten hinzuweisen.

Das silberne Leuten der Friedhofswächter reißt uns aus der Ruhe. Der Friedhof macht bald zu und wir haben noch gar niemanden gefunden. „Los, lass uns noch fix zu Oskar Wilde gehen!“ schlage ich meiner Mutter vor. „Edith Piaf schaffen wir wahrscheinlich auch nicht mehr!“ Ich klinge wohl traurig, denn meine Mutter meint, auch wenn wir nichts finden sollten, das Licht und die Ruhe seien trotzdem schön. Vorbei an Steinen ziehen wir Richtung Norden. Dort wo Oskar Wilde liegen muss, und wo einen keinen Ausgang gibt. Das ahnen auch die Friedhofswächter und klingeln wütend in unseren Ohren. Wahrscheinlich sagen sie uns auf Französisch, dass wir in die falsche Richtung gehen, wie gut, dass wir nichts verstehen.

Wir traben jetzt nur noch über Nebenwege und für Sekunden habe ich meine Mutter verloren. Das fehlt jetzt auch noch. Einer von uns beiden bleibt jetzt hier… „HIER IST GILBERT BÉCAUD!“ Die Stimme meiner Mutter ist kaum zu hören aber sie klingt so fröhlich wie beim Pilze suchen im Wald. „WO BIST DU?“ rufe ich! „HIER!“ Ihre Antwort macht mich so orientierungslos wie ein Echo in den Bergen. Ich warte einen Augenblick und dann schießt sie hinter einem Busch hervor und bringt mich ganz aufgeregt zum Grab. „Am Tag als der Regen kam“ ist doch von ihm. Ja und natürlich „Nathalie“.
Solchermaßen beschwingt finden wir ein, zwei, drei das Grab von Oskar Wilde, an dem sich noch andere verspätete Friedhofsgäste festzuhalten versuchen. Ziemlich bald von wütenden Friedhofswächtern umzingelt. Reumütig versprechen wir, sofort zu gehen und ziehen doch wieder die nächste Chance in Betracht, noch einmal für Sekunden von der Hauptallee zum Ausgang zu verschwinden. Nun hat das kindliche Spiel mit den Wärtern schon vollkommen unsere Aufmerksamkeit gewonnen. Rechts und links liegen die Promis von einst. Die Wächter läuten und wir laufen im zick und im zack. Drüben im Krematorium wird ja auch noch jemand verbrannt. Die französische Trauergesellschaft schaut irritiert, als wir uns scheinheilig unter sie mischen wollen. Nur die Friedhofsangestellte erkennt an meinen kurzen Hosen so fort, dass wir auf der Flucht sind. „Pardon! Wir gehen ja schon“

Hingehen: Pére Lachaise und bitte die Öffnungszeiten beachten: Um 17.00 h ist Schluss!

Montag, 11. Mai 2009

Berlin, Berlin







Gelandet und abgedrückt: Die ersten Fotos aus Berlin und Potsdam. Bilder gehen schneller ins Netz als Gedanken. Danke Bork, Dörte, Birgit, Herta, Ute, Alex, Valeria, Karin, Jochen, Berit, Jasper, Jan, Christiane, Arnd und Jens. Ne Geschichte über Deutschland kommt demnächst ins Netz*****
Bastian
12 Grad!

Wahrscheinlich war das vorhin doch eine Schneeflocke, die mir in Tegelairport auf den Kopf gefallen ist...

Donnerstag, 7. Mai 2009

Ankunft in Berlin-Tegel


Freunde warten am Flughafen. Es ist schon spät. Und der Flug war sehr lang. Er verlief auch ganz anders als ich gedacht hatte. Statt noch einmal mein erstes Jahr in Kambodscha revuepassieren zu lassen, unterhielt ich mich mit einem Finnen, der, Ende 30, leicht aufgedunsen, blass und als Person einerseits verständlich, sympathisch und zugleich ungeheuer verschroben auch aus einem Kaurismäki-Film stammen könnte. Ich habe seinen Namen schon wieder vergessen, oder besser gesagt, ich wusste bereits, als er sich vorstellte, dass ich mir diesen Namen nie werde merken können. Ich nenne ihn deswegen Aki, Aki aus Helsinki.

Beim Zwischenaufenthalt in Düsseldorf fragt Aki mich nach meinem Handy, er müsse Leuten Bescheid sagen, dass er kommt. Er sagt, er würde erst kurz vor Mittagnacht in Helsinki landen und würde gern abgeholt werden. Schon in Düsseldorf ist es an diesem Abend furchtbar kalt. Aki sagt, in Helsinki sei es noch kälter. Drei Jahre hat er jetzt in Thailand gelebt, hat eine thailändische Frau und thailändische Schwiegereltern. Es sagt, niemand in Finnland würde wissen, dass er heute nach Hause kommt.

Wir trinken bitteren Kaffee. Aki schaut auf mein Handy, als eine SMS kommt. Ich lese diese und sage, die SMS sei für mich. Nach einer Stunde steige ich in mein Flugzeug nach Berlin und mach mein Handy aus. Keine weiteren Nachrichten. Aki fliegt erst eine Stunde später nach Helsinki.

In Berlin warte ich auf meine Koffer. Mein Handy ist wieder an, doch keine Nachrichten für Aki.

Die letzte Tür geht auf, ich sehe meine Freunde und meinen Bruder. Es ist wie im Himmel, nur zu kalt. Wir trinken Sekt. Es prickelt und dann dreht sich alles. Ich bin wieder da. Ich bin wieder zu Hause!
Noch einmal denke ich kurz an Aki - wie seltsam, wie hart sich Endgültigkeit anfühlt, Menschen auf Reisen kennenzulernen, di e man im Leben nicht wieder sehen wird und ziehe mit meinen Freunden los.

Freitag, 1. Mai 2009

Heimaturlaub!


Mein erstes Jahr hier in Kambodscha ist zu Ende gegangen und ich freue mich, euch davon nun live erzählen zu können. 3 Wochen reisen und Familie und Freunde wiedersehen! Mein Handy ist ab dem 6.5. wieder an. Ich kann zwar nicht selber anrufen, bin aber unter meiner alten Nummer erreichbar.


Hier meine Aufenthalte:
4.5. Bangkok
5.5. Ayutthaia
6.5 Bangkok
7.5. bis 11.5. Berlin
12.5. bis 15.5. Paris
16.5. Berlin und Geburtstagsparty
17.-18.5 Ahrenshoop
19.5. Berlin
20.5.-21.5. Grünheide
22.5. Berlin
23.5. Abflug nach Phnom Penh

Bis gleich!
Bastian